29.10.2019 | Specials Duane Allman: Unser Porträt über den Southern Rock-Pionier

Er war es, der sich die Vision des Southern Rock ausmalte und mit dem Sechssaiter in der Hand eigens realisierte - Duane "Skydog" Allman.

Foto: Ed Berman - Duane Allman - Fillmore East - 6/26/71, CC BY 2.0, Link

Irgendwann im Sommer 1960 wurde Howard Duane Allman Besitzer seines ersten Motorrads und laut seinem Bruder Gregg zum Terror in der Nachbarschaft. Häufig wird der 14-Jährige gesehen und vor allem gehört, wie er durch Daytona Beach, Florida rast, wo seine Familie zwei Jahre zuvor hingezogen war. Im selben Jahr kaufte sich Gregg von seinem Gehalt als Zeitungsjunge seine erste eigene Gitarre - eine Teisco Silvertone.

Die sollte es auch dem ein Jahr älteren Duane antun, denn als dessen Maschine den Geist aufgibt, tauscht er die Überbleibsel gegen eine eigene Silvertone. Es sollten die musikalischen Ursprünge einer Band werden, die Musikgeschichte schreiben sollte, denn Gregg brachte seinem Bruder die Grundgriffe bei und als die beiden ein Konzert des legendären B.B. King belauschten, gründeten sie ihre ersten eigenen Gruppen.

Doch es sollte acht Jahre dauern, bis jemand auf die Jungs aufmerksam wurde. Rick Hall, Besitzer der Fame Studios, erkennt Duanes Talent und engagierte ihn als Studio-Gitarrist. Dort nahm er unter anderem mit der großen Aretha Franklin auf und erlangte vor allem durch sein Spiel auf Wilson Picketts Album Hey Jude große Bekanntheit. Später sollte kein anderer als Eric Clapton sagen: 

"Ich erinnere mich an Picketts Cover von 'Hey Jude' und war extrem verblüfft von dem Solo am Ende. Ich musste sofort wissen, wer das war - hier und jetzt!"

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Bereits in den Fame Studios
sollten sich die ersten Teile der Allman Brothers Band zusammenfinden. Dort herrschte die perfekte Chemie und langsam aber sicher kam Duanes Vision eines neuen Sounds zustande. Doch hier, als "Roboter für die Arbeit anderer", konnte er sich nicht weiterentwickeln.

Wie es das Schicksal so will, suchten zur selben Zeit Atlantic Records Vizepräsident Jerry Wexler und Band-Manager Phil Walden, ein Zugpferd für das neu gegründete Label Capricorn Records. Ebenfalls zutiefst beeindruckt von Allmanns Gitarrenspiel auf Picketts "Hey Jude", kauften sie Duanes Vertrag von den Fame Studios ab und erlaubten ihm von nun an, seine eigene Musik zu machen.

So fand sich Duane Allman mit einer Hand voll vertrauter Musiker in seiner Heimat in Jacksonville, Florida zusammen. Sie jammten gute drei Stunden - am Ende steht die erste Ausgabe der Allman Brothers Band. Was, bzw. wer zu diesem Zeitpunkt aber noch fehlt: der zweite Bruder, denn die Band hat noch keinen Sänger. So holt Duane einfach seinen jüngeren Bruder Gregg an Bord.

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Die Geburtsstunde des Southern Rock kann also zurückverfolgt werden zum 26. März 1969,
als Duane Allmann, sein Bruder Gregg und eine Hand voll weiterer, hoch talentierter Musiker sich das erste Mal zusammenfanden um Blues, Rock, Jazz und Country zu vereinen.

Das Bühnendebüt folgte nur vier Tage später und die nächsten zwei Jahre sind ein ewiger Zyklus von Studioaufnahmen, Proben und Touren. Vier Alben und mehrere hundert Gigs später, legte die Band im Spätsommer 1971 ihre erste anständige Pause ein, um den erspielten Erfolg der letzten Jahre zu genießen.

Am 29. Oktober 1971 machte Duane Allman eine kurze Fahrt auf seiner Harley Davidson Sportster zum Haus von Bassist Barry Oakley und gleichzeitigem Bandhauptquartier in Macon, Georgia, auch genannt "The Big House", um Oakleys Frau zum Geburtstag zu gratulieren. Kurz nachdem er das Haus wieder verlassen hatte, um nach Hause zu fahren, geschah das Unglaubliche:

Ein LKW blieb unerwartet in einer Kreuzung stehen, Duane konnte nicht mehr ausweichen, wurde von seinem Motorrad geschleudert, das anschließend auf dem Musiker landet und ihn mehrere Dutzend Meter über den Boden schleifte. Obwohl Duane noch am Leben war, als er im Krankenhaus ankam, waren die Verletzungen zu schwer. Eine dreistündige Operation war nicht erfolgreich: Im Alter von nur 24 Jahren, zweieinhalb Jahre nach seinem großen Durchbruch, starb Duane Allman.

Drei Tage später, am 01. November 1971, fanden sich knapp 300 Freunde und Familienmitglieder für eine Trauerzeremonie in Macon zusammen. Duanes Gitarrenkoffer lag zu Füßen seines Sargs, während die Allman Brothers Band direkt dahinter ihre Instrumente aufgebaut hatten, um dem großartigen Duane Allman die letzte Ehre zu erweisen.

An seinem Todestag gedenken wir einem Pionier der Rock-Geschichte und dem Vater des Southern Rocks - Rock in Peace, Skydog!