11.03.2020 | Specials Nina Hagen wird 65: Unser Porträt über die deutsche Godmother of Punk

Vom Schlagersternchen in der DDR zum Aushängeschild der deutschen Punk-Szene! Wir feiern das ostberliner Original in unserem Porträt.

  • Sie ist die deutsche Godmother of Punk: Nina Hagen!

    Sie ist die deutsche Godmother of Punk: Nina Hagen!

    Foto: Michael Mey / Universal Music
  • Dabei begann ihre Karriere so gar nicht rockig - ein Schlagersternchen in der DDR sollte sie sein (Nina ganz links im Bild)
	Foto: Bundesarchiv / Franke, Klaus / CC BY-SA 3.0 de, Link

    Dabei begann ihre Karriere so gar nicht rockig - ein Schlagersternchen in der DDR sollte sie sein (Nina ganz links im Bild)

    Foto: Bundesarchiv / Franke, Klaus / CC BY-SA 3.0 de, Link

  • Doch nachdem sie die DDR verlassen hatte und die Punk-Welle in England aufgesogen hatte, kehrte Nina Hagen als neuer Mensch in die Bundesrepublik zurück.
	Foto: Dirk Herbert - Dirk Herbert, CC BY-SA 4.0, Link

    Doch nachdem sie die DDR verlassen hatte und die Punk-Welle in England aufgesogen hatte, kehrte Nina Hagen als neuer Mensch in die Bundesrepublik zurück.

    Foto: Dirk Herbert - Dirk Herbert, CC BY-SA 4.0, Link

  • Das provokative und selbstbewusste Auftreten der Punks war genau Ninas Fall und so wurde sie zu einer wichtigen Stimme derjenigen, die sich um ein modernes Frauenbild bemühten.
	Foto: Bill DeRouchey - Nina Hagen on the phone, CC BY 2.0, Link

    Das provokative und selbstbewusste Auftreten der Punks war genau Ninas Fall und so wurde sie zu einer wichtigen Stimme derjenigen, die sich um ein modernes Frauenbild bemühten.

    Foto: Bill DeRouchey - Nina Hagen on the phone, CC BY 2.0, Link

  • Vom Schlager-Image war nichts mehr zu sehen und zu hören - durch Songs wie "Unbeschreiblich, weiblich" und "TV-Glotzer" feierte sie auch internationale Erfolge.

    Vom Schlager-Image war nichts mehr zu sehen und zu hören - durch Songs wie "Unbeschreiblich, weiblich" und "TV-Glotzer" feierte sie auch internationale Erfolge.

    Foto: Jim Rakete / Universal Music
  • Musikalisch hört man heute nur noch wenig von ihr - doch ihre Extrovertiertheit und die große Klappe hat sich Nina Hagen beibehalten. Damit ebnete sie die Bühne für zahlreiche Künstlerinnen, die die Rock- und Punkwelt noch heute bereichern.

    Musikalisch hört man heute nur noch wenig von ihr - doch ihre Extrovertiertheit und die große Klappe hat sich Nina Hagen beibehalten. Damit ebnete sie die Bühne für zahlreiche Künstlerinnen, die die Rock- und Punkwelt noch heute bereichern.

    Foto: Jim Rakete / Universal Music

Die Siebziger waren zweifellos ein Jahrzehnt der Revolutionen. Bands wie Led Zeppelin kitzelten eine Härte aus dem Rock'n'Roll, die noch nie jemand gehört hatte, die Punk-Welle sagte dem Establishment den Kampf an und Frauen eroberten langsam aber sicher die vorderste Front auf der Bühne. Zu nennen wären da unter anderem Patti Smith, Debbie HarryJoan Jett und eben Nina Hagen. Steinig waren wohl alle Wege der genannten Künstlerinnen, doch bei Nina Hagen kam der Druck auch von oberster Ebene.

Catharina Hagen, so ihr Geburtsname, wurde am 11. März 1955 in Ost-Berlin geboren. Als Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen entdeckte sie schon früh die künstlerische Szene für sich und hegte den Wunsch eine Schauspielkarriere einzuschlagen. Allerdings nicht einfach, wenn die Familie dem DDR-Regime nicht unkritisch gegenüber stand. Weil ihre Mutter eine Beziehung zum Liedermacher und Regime-Kritiker Wolf Biermann pflegte, wurde ihr ein Stock nach dem anderen zwischen die Beine geworfen.

Dem sozialen Abstieg der Familie folgten schwere Probleme, die Nina im Alter von nur 12 Jahren zu einem Selbstmordversuch veranlasste. Doch die junge Frau kämpfte sich zurück und trotz der Vorbehalte gegenüber ihrer "Regierungstreue" schaffte sie es, eine Gesangsausbildung im Studio für Unterhaltungskunst zu ergattern. Das Talent wurde durchaus erkannt, endete aber nicht in der angestrebten Rockstar-Karriere, sondern in der Schlagernummer "Du hast den Farbfilm vergessen". 

Doch das Schlagersternchen-Image gefiel Nina Hagen überhaupt nicht. Nachdem sie mit ihrer Mutter aufgrund weiterer politischer Proteste aus der DDR quasi ausgewiesen wurde, ging sie nach London und erlebte dort die Punk-Welle hautnah mit. Der Grundstein für ihre Karriere war gelegt! Provokation, Exzentrik, gegen das System - hier fühlte sich Hagen zuhause und nahm ihre gewonnenen Eindrücke mit nach Deutschland, wo sie die Nina Hagen Band ins Leben rief. 

Nina Hagen wurde zur Powerfrau der deutschen Rock-Szene! Ihr selbstbewusstes Auftreten auf der Bühne oder in Talkshows - "Frauen müssen sich anfassen, nämlich da" - und Songs wie "TV-Glotzer", "Unbeschreiblich Weiblich" oder "Superboy" machten sie zu einem Aushängeschild im Kampf um ein modernes Frauenbild und auch in ganz Europa erfolgreich. Sie wurde zur deutschen Godmother of Punk und schrieb an der Rock-Geschichte fleißig mit.

Und heute? Nun, von ihrer Extrovertiertheit hat Nina Hagen nichts eingebüßt. Auch wenn sie musikalisch nur noch selten auftritt, scheut sie sich nach wie vor nicht ihre Meinung zu vertreten. Mit dieser Einstellung hatte sie nicht nur kommerziellen Erfolg, sondern bereitete auch die Bühne für junge Künstlerinnen, die uns heute noch erfreuen - die Guerilla Punk-Combo von Pussy Riot zum Beispiel, die britische Grunge-Hoffnung Lauren Tate von Hands Off Gretel und viele viele mehr.

In diesem Sinne vielen Dank, Nina und rockende Glückwünsche zum 65. Geburtstag!

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