Jimi Hendrix

James Marshall „Jimi“ Hendrix (* 27. November 1942 als John Allen Hendrix in Seattle, Washington; † 18. September 1970 in London) war ein US-amerikanischer Gitarrist, Komponist und Sänger.

Hendrix, der wegen seiner experimentellen und innovativen Spielweise auf der Rock-E-Gitarre als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Gitarristen gilt, hatte nachhaltige Wirkung auf die Entwicklung der Rockmusik. Mit seinen Bands – unter anderem The Jimi Hendrix Experience und Gypsy Sun & Rainbows – hatte er Auftritte auf den populärsten Musikfestivals seiner Zeit, so 1967 beim Monterey Pop Festival, 1969 beim Woodstock-Festival und 1970 auf der Isle of Wight.

Biografie

Kindheit und Jugend

Jimi Hendrix war der Sohn von James Allen Hendrix und Lucille Jeter. Sowohl James „Al“ als auch Lucille hatten afroamerikanische und Cherokee-Vorfahren in der Familie. Zunächst erhielt Jimi den Namen John Allen Hendrix. Sein Vater James Allen „Al“ Hendrix war zur Zeit der Geburt seines Sohnes bei der US-Armee in Alabama stationiert. Nach seiner Entlassung im Jahr 1946 ließ er den Namen seines Sohnes in James Marshall Hendrix ändern. Die Eltern bekamen 1948 einen weiteren gemeinsamen Sohn namens Leon. Später im selben Jahr gebar Lucille Hendrix den Sohn Joseph („Joey“), dessen Vaterschaft Al nicht anerkannte. Nach der Rückkehr aus dem Militärdienst war Al wieder mit Lucille zusammen. Da er keine feste Arbeit finden konnte, verarmte die Familie. Das Paar kämpfte mit Alkohol und stritt sich oft unter Alkoholeinfluss. Die häusliche Gewalt trieb Jimi manchmal dazu, sich zurückzuziehen und sich in einem Schrank in ihrem Haus zu verstecken. Die Familie zog häufig um und übernachtete in billigen Hotels und Appartements in der Umgebung von Seattle. Gelegentlich nahmen Familienmitglieder Hendrix mit nach Vancouver, um bei seiner Großmutter zu übernachten. So entwickelte sich Jimi zu einem schüchternen und sensiblen Jungen. 1951 ließen sich Jimi Hendrix’ Eltern scheiden. Hendrix wuchs fortan bei seinem Vater auf, während Joey zur Adoption freigegeben und Leon zeitweise in ein Waisenhaus gegeben wurde. Im Alter von dreiunddreißig Jahren hatte Hendrix’ Mutter Lucille eine Leberzirrhose entwickelt. Sie starb am 2. Februar 1958, als ihre Milz riss. Al weigerte sich, James und Leon zur Beerdigung ihrer Mutter mitzunehmen; er gab ihnen stattdessen Whisky und wies sie an, wie die Männer mit dem Verlust umgehen sollten. Al heiratete später (1966) die japanischstämmige Ayako „June“ Fujita. Deren jüngste Tochter Janie adoptierte Al 1968.

Hendrix erstes Musikinstrument war eine Mundharmonika, die er mit vier Jahren erhielt. In der Horace Mann Grundschule in Seattle, Mitte der 1950er Jahre, erregte Hendrix’ Gewohnheit, einen Besen bei sich zu tragen, um einer Gitarre nachzueifern, die Aufmerksamkeit einer Sozialarbeiterin der Schule. Sie schrieb einen Brief an die Schulleitung, in dem sie um eine Schulfinanzierung für unterprivilegierte Kinder bat und darauf bestand, dass ein Verzicht auf eine Gitarre bei Jimi psychologische Schäden verursachen könnte. Ihre Bemühungen scheiterten jedoch, auch Al weigerte sich, Jimi eine Gitarre zu kaufen. Als Hendrix 1957 seinem Vater bei einem Nebenjob half, fand er eine Ukulele unter dem Müll, den sie aus dem Haus einer älteren Frau holten. Sie sagte ihm, dass er das Instrument, das nur eine Saite hatte, behalten könne. Er lernte nach Gehör, spielte einzelne Töne und folgte den Liedern von Elvis Presley. Als Jugendlicher begann er sich für Rock ’n’ Roll zu begeistern. Im Sommer 1957 erwarb sein Vater für fünf Dollar eine gebrauchte akustische Gitarre, auf der Hendrix mit seiner ersten Band The Velvetones eine kurze Zeit spielte, bis er eine elektrische Gitarre, die „Supro Ozark 1560S“, geschenkt bekam und sich auf diese konzentrierte. Diese Gitarre spielte er auch in seiner zweiten Band The Rocking Kings.

Hendrix besuchte die Garfield High School, die er 1959 wegen schlechter Noten verlassen musste.

Nach einem Autodiebstahl stellte man ihn vor die Wahl, zwei Jahre im Gefängnis zu verbringen oder der Army beizutreten. Im Mai 1961 verpflichtete sich Jimi Hendrix für drei Jahre und kam nach der Grundausbildung zur 101. US-Luftlandedivision in Fort Campbell. Hendrix wollte sich nicht in das System von Befehl und Gehorsam der US Army integrieren. Vorgesetzte bemängelten seine geringe Motivation und Verstöße gegen Befehle und Regeln. Hendrix könne sich nicht auf seine Pflichten konzentrieren, da er außerhalb des Dienstes zu viel Gitarre spiele und ständig daran denke. Außerdem besitze er keine guten Charaktereigenschaften. Nach 13 Monaten wurde Hendrix vorzeitig entlassen.

Karrierebeginn als Musiker

Während seines Militärdienstes hatte er Billy Cox kennen gelernt, der Bass in den Wohltätigkeitsclubs in Nashville spielte. Mit Cox zusammen gründete Hendrix die Band The King Kasuals. Zusätzlich spielte er in den folgenden Jahren als Begleitmusiker unter anderem für Little Richard, The Supremes, The Isley Brothers und Jackie Wilson.

Im Januar 1964, als er, frustriert von den Regeln seiner Bandleader, das Gefühl hatte, künstlerisch aus dem bisherigen Kreis herausgewachsen zu sein, beschloss Hendrix, sich auf eigene Faust einen Namen zu machen. Er zog ins Hotel Theresa in Harlem, wo er sich mit Lithofayne Pridgon, bekannt als „Faye“, anfreundete, die seine Freundin wurde. Pridgon, eine gebürtige Harlemerin mit Verbindungen zur gesamten Musikszene der Region, bot ihm Schutz, Unterstützung und Ermutigung. Im Februar 1964 gewann er einen musikalischen Wettbewerb des Apollo Theaters.

1964 übernahm Hendrix die Rolle des Gitarristen bei den Isley Brothers und begleitete sie während eines großen Teils des Jahres auf einer Tour durch die USA. Gegen Ende Oktober, nachdem er es leid war, jeden Abend das gleiche Set zu spielen, verließ er die Band. Danach bekam er ein Engagement in der Tourband von Little Richard. Richard und Hendrix kollidierten oft über Verspätungen, Garderobe und Hendrix’ Bühnenpossen. Ende Juli 1965 wurde Hendrix von Richards Bruder Robert aus der Band entlassen. Er kehrte dann kurzzeitig zu den Isley Brothers zurück und spielte mit ihnen eine Single ein.

Im Jahre 1965 stieg Hendrix bei der New Yorker Band Curtis Knight and the Squires ein. Curtis Knights Manager, Ed Chalpin, bot an, ihn unter Vertrag zu nehmen. Hendrix unterschrieb und bekam einen Vorschuss von einem Dollar und einen Anteil von einem Prozent an den Lizenzeinnahmen. Gleichzeitig verpflichtete er sich, drei Jahre lang exklusiv für Chalpin zu spielen. Dieser Vertrag sollte Hendrix später noch recht hinderlich werden. Sein Engagement in dieser Gruppe hatte nur kurzen Bestand.

Die erste Band, in der Hendrix selbst als Frontmann und Sänger aktiv war, war die 1965 gegründete Formation Jimmy James and the Blue Flames. In der zweiten Hälfte des Jahres 1965 und Anfang 1966 spielte Hendrix mit diesen Musikern in Clubs des Greenwich Village. Hier begann er, seinen Stil und ein eigenes musikalisches Repertoire zu entwickeln.

Entdeckung durch Chas Chandler

Die damalige Freundin von Keith Richards, Linda Keith, sah und hörte Hendrix im New Yorker „Cheetah Club“. Sie war fasziniert von seinem Spiel und lud ihn auf einen Drink ein. Beide verstanden sich und wurden Freunde. Linda machte daraufhin den Rolling-Stones-Manager Andrew Loog Oldham und den Produzenten Seymour Stein auf Hendrix aufmerksam. Diese erkannten in Hendrix’ kein musikalisches Potential und lehnten eine etwaige Zusammenarbeit ab. Daraufhin verwies Lisa Hendrix an den in New York weilenden Chas Chandler, der gerade die Animals verlassen hatte und an der Leitung und Produktion von Künstlern interessiert war. Chandler sah und hörte den noch recht unbekannten Jimi Hendrix im Cafe „Wha?“ in Greenwich Village spielen. Chandler gefiel besonders der Billy-Roberts-Song Hey Joe, und er war überzeugt, dass er daraus mit Hendrix einen Hit machen könnte. Er überredete Hendrix, mit ihm nach London zu fliegen, um dort eine musikalische Karriere zu starten. Hendrix willigte ein und kam am 24. September 1966 mit einem 7-Tages-Visum in London an. Am selben Tag gab Hendrix über Chandlers Beziehungen einen improvisierten Soloauftritt im Londoner Szeneclub „Scotch of St. James“.

The Jimi Hendrix Experience

Die Anfänge der Gruppe

Chandler und der ehemalige Manager der Animals, Michael Jeffery, beschlossen, Hendrix unter Vertrag zu nehmen. Jeffery war zuvor der Manager von Chandler gewesen, als dieser bei den Animals spielte. In dieser Periode wurden Jeffery als Manager Verbindungen zu zwielichtigen Geschäftsleuten in den karibischen Steuerparadiesen nachgesagt. Vereinbart wurde, dass sich Chandler in der neu zu formierenden Band um den künstlerischen Teil des Managements kümmern sollte, während Jeffery die finanziellen Aufgaben zu verantworten habe.

Der nächste Schritt war nun, um Hendrix als Frontmann eine Band aufzubauen. Hendrix gab dazu sein Pseudonym „Jimmy James“ auf und wurde zu „Jimi Hendrix“. Chandler begann die Suche nach geeigneten Musikern, letztlich wurden der Schlagzeuger Mitch Mitchell (vorher Georgie Fame’s Blue Flames) und der Bassist Noel Redding ausgewählt. Mit ihnen wurde im September 1966 in London die Formation „Jimi Hendrix Experience“ gegründet. Hendrix war neben dem Part als Leadgitarrist auch als Sänger der Band vorgesehen, worüber Hendrix zunächst nicht begeistert war; er zweifelte an der Qualität seiner Stimme. Aber es gelang, ihn dazu zu überreden und seine Scheu zu singen, zu überwinden.

Chandler und Jeffery gründeten am 11. Oktober 1966 die Gesellschaft „Yameta Company Limited, Nassau“, die Jimi Hendrix und seine Gruppe unter Vertrag nahm. Noel Redding beschrieb später diesen Vertrag als einen Knebelvertrag, was die Musiker damals aber aus Unkenntnis und auch Desinteresse an rechtlichen Dingen nicht begriffen hätten.

Über Johnny Halliday, der Jimi Hendrix im Londoner „Blaises Club“ zusammen mit Brian Auger hörte, gelang es, erste Auftritte in Frankreich im Oktober 1966 als Vorband für Johnny Halliday zu vereinbaren, darunter ein Auftritt im Pariser Olympia am 18. Oktober. Dieser wurde mitgeschnitten und befindet sich zum Teil auf der Jimi Hendrix Experience (Deluxe Reissue) Box. Das Set bestand aus drei Coversongsː Killing Floor (Howlin’ Wolf), Hey Joe (Billy Roberts) und Wild Thing (The Troggs). Im November 1966 spielte die Band im Münchener „Big Apple Club“ zwei Auftritte. Hier machte Hendrix eine Show-Erfahrung, die ihn fortan prägen sollte. Beim Versuch, panisch einem frenetischen Publikum zu entkommen, warf er seine Gitarre auf die Bühne, wo sie in einer Sound-Explosion niederging und als Teil der Show wahrgenommen wurde.

Anschließend gelang es Chandler, einen Auftritt im angesehenen Londoner Club „Bag O’Nails“ zu organisieren; im Publikum saßen die Beatles, The Who und Donovan. Weitere Konzerte in London, Southampton, Folkstone, Manchester und Sheffield folgten Anfang 1967. Die Gruppe hatte auch erste Fernsehauftritte bei „Ready Steady Go“ und „Top of the Pops“, und wurde damit immer populärer. Im deutschen Fernsehen war die Formation erstmals im März 1967 im „Beat-Club“ zu sehen. Im Mai 1967 folgten Auftritte in Paris, Berlin, München, Frankfurt, in Schweden, Dänemark und Finnland.

Erste Hits

Die ersten Songs, Hey Joe und Stone Free, wurden im Oktober/November 1966 aufgenommen. Die Single wurde noch im Dezember 1966 veröffentlicht und platzierte sich im Februar 1967 in England auf Platz 4 der Hitparade. Das erste Album, Are You Experienced, erreichte Platz 2 der UK-Charts.

1967, Zurück in den USA als englischer Popstar

Am 18. Juni 1967 trat Hendrix mit seiner Band in Kalifornien auf dem Monterey Pop Festival auf, wodurch seine Popularität erheblich gesteigert wurde. Bekannt wurde der Auftritt auch dadurch, dass Hendrix am Ende nach dem neunten Song Wild Thing seine Gitarre anzündete. Er selbst äußerte sich dazu so:

Nach Monterey folgten mehrere Auftritte im berühmten Fillmore West von Bill Graham in San Francisco (sechs aufeinanderfolgende Tage, zwei Konzerte pro Tag), Santa Barbara, Los Angeles und in New York. Mittlerweile hatte Jeffery eigenmächtig, ohne Chandler und die Band zu fragen, eine Tour der Experience als Vorgruppe der The Monkees in Florida gebucht. Diese Auftritte konfrontierten die Band mit einem Publikum, das meist aus Mädchen im Alter zwischen 7 und 12 bestand und sich damit als eine unpassende Bandzusammenstellung herausstellte. Die Experience wurde später aus dem Programm genommen. Weitere Shows in den USA folgten bis in den August 1967, danach flog die Band zurück nach England.

1968, erneut in den USA, Electric Ladyland

Nach der Veröffentlichung von Axis: Bold as Love im Oktober 1967 startete die Band im Februar 1968 eine längere Tour durch die USA, auf der sie unter anderem erneut im Fillmore West in San Francisco auftrat. Parallel arbeitete sie im Studio an einem neuen Album. Redding beschrieb später, dass die Studioarbeiten mittlerweile einen völlig anderen Charakter bekamen hätten. Einerseits durch neue Aufnahmetechniken mit einer 12-Spuranlage und Effektmöglichkeiten, was Hendrix dazu verführte, endlose Overdubs und Abmischungen zu produzieren. Andererseits war die Band im Studio umlagert von einer Menge Leute, die „Party machten“, so dass ein konzentriertes Arbeiten kaum möglich war. Die Aufnahmesitzungen wurden ihrerseits laufend durch Live-Auftritte und Tourneen unterbrochen, auf denen aber kein neues Material ausprobiert und ausgebaut werden konnte, weil das Publikum die bekannten Hits und Stücke hören wollte.

Chandler, der sich als künstlerischer Mentor für Hendrix wahrnahm, machte Hendrix aufgrund dieser unproduktiven Phase und Einstellung Vorhaltungen, sodass es zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden kam. Ende Oktober 1968 wurde das Doppel-Album Electric Ladyland fertiggestellt. Es galt mit seinen innovativen Soundtechniken und der Auswahl an Stücken, auf denen Musiker wie Stevie Winwood oder Dave Mason mitwirkten, als neuer Höhepunkt in der elektrischen und psychedelischen Rock-Musik. Das Album erlangte Platz 1 der Billboard 200.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Band durch das extensive Touren auseinandergelebt. Der letzte gemeinsame Auftritt der Jimi Hendrix Experience fand am 29. Juni 1969 in Denver statt.

1969, Der Auftritt in Woodstock

Das Jahr 1969 begann mit Problemen mit der kanadischen Justiz. Im Mai wurden bei einer Kontrolle am Flughafen von Toronto in Hendrix’ Gepäck Heroin und Haschisch gefunden. Hendrix behauptete, die Drogen seien dort ohne sein Wissen hineingelangt.

Im Sommer 1969 stellte er für das Woodstock-Festival eine neue Band zusammen. Diese nannte er Gypsy Sun & Rainbows – zugehörig waren Mitch Mitchell am Schlagzeug, sein alter Armee-Freund Billy Cox am Bass, Larry Lee an der Rhythmusgitarre und zwei Perkussionisten. Witterungsbedingt verzögerte sich der Auftritt der Band, die Musiker traten erst am frühen Montagmorgen des 18. August 1969 auf, als das Festival eigentlich schon hätte vorbei sein sollen.

Von den ursprünglich mehr als 400.000 Besuchern waren zu diesem Zeitpunkt noch rund 25.000 anwesend.

Bei diesem Auftritt präsentierte Hendrix eine verzerrte, dröhnende, an Bomber- und Maschinengewehrsalven erinnernde, und auch aus diesem Grund schnell weltbekannte Interpretation der US-amerikanischen Nationalhymne The Star-Spangled Banner. Durch seine Spieltechnik mit exzessiver Benutzung des Tremolohebels der Gitarre und den Einsatz von Effekten (vor allem Wah-Wah und Fuzz-Face) verfremdete er die Hymne und nahm damit in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu ausnahmslos auf akustische Weise Stellung zum in den USA ständig präsenten US-Kriegsführung in Vietnam. Allerdings widersprach Hendrix später in der Talkshow von Dick Cavett dieser Interpretation.

Band of Gypsys

Nach dem Woodstock-Auftritt gab die Jimi Hendrix Experience noch zwei Konzerte und löste sich dann auf. Nachdem Chalpin Ansprüche aus dem 1-Dollar-Vertrag mit Hendrix aus dem Jahre 1965 gelten machte wurde ein Konzert mitgeschnitten, das an Silvester 1969 im Fillmore East stattfand. Dafür stellte Hendrix eine neue Band namens Band of Gypsys mit Billy Cox am Bass und Buddy Miles am Schlagzeug zusammen.

Die neue Jimi Hendrix Experience

Nachdem die Band of Gypsys einen Monat lang zusammen aufgetreten war, formierte Hendrix im März 1970 die Jimi Hendrix Experience neu. Er übernahm Billy Cox aus der Band of Gypsys als Bassist, am Schlagzeug spielte weiterhin Mitch Mitchell.

1970 fanden zahlreiche, oft spontane Studioaufnahmen mit wechselnden Besetzungen statt, die in ein geplantes Album mit dem Arbeitstitel First Rays of the New Rising Sun münden sollten. Eine Auswahl der Songs wurde 1971 als Cry Of Love veröffentlicht, als komplettes Album erschien es erst 1997. Für die Aufnahmen ließ Hendrix in der 8th Street in New York ein eigenes Aufnahmestudio errichten, das im August 1970 fertiggestellt wurde. Als Name wurde „Electric Lady Studios“ gewählt.

In diesem Jahr ging die Band auf ihre letzte US- und Europa-Tournee. Auftakt in Europa war das Isle of Wight Festival am 30. August 1970. Nach anschließenden Auftritten in Stockholm, Kopenhagen und Berlin (am 4. September 1970 in der Deutschlandhalle) absolvierte Hendrix beim Love-and-Peace-Festival am 6. September 1970 auf der schleswig-holsteinischen Ostseeinsel Fehmarn seinen letzten Auftritt. Später wurde dort ein Gedenkstein platziert. Von 1995 bis 2010 fand jährlich am ersten Sonnabend im September das Jimi-Hendrix-Revival-Festival in Flügge auf Fehmarn statt. 2011 und in den Folgejahren wurde es aus Naturschutzgründen untersagt. Am 2. September 2017 fand auf Fehmarn erstmals wieder ein Open-Air-Revival-Festival statt, allerdings nicht mehr am früheren Ort, sondern auf einer Wiese in Strukkamp.

1970 wirkte Hendrix bei den Aufnahmen für das Solo-Debütalalbum von Stephen Stills mit. Dessen Erscheinen im November 1970 erlebte Hendrix nicht mehr, da er am 18. September 1970 verstarb. Stills benannte später nach Fertigstelleung das Album „James Marshall Hendrix“. Nach Hendrix’ Tod wurde bekannt, dass er ein Projekt mit der Supergroup Emerson, Lake and Palmer geplant hatte.

Person und Charakter

Im Gegensatz zu dem Bild, das Jimi Hendrix in seinen offensiven Shows der Öffentlichkeit präsentierte, war er in Wirklichkeit ein sehr zurückhaltender, geradezu scheuer Mensch. Sein Charakter war sehr geprägt von der Erfahrung des Weggangs seiner Mutter, ihrem Alkoholismus, dem ständigen Streit zwischen seinen Eltern und dem Abgeschobenwerden zu Verwandten und Bekannten. Er schätzte es, dass Noel Reddings Mutter ihn wie einen zweiten Sohn behandelte, wenn sie gemeinsam bei Noels Mutter waren. Diese erwähnte später, Hendrix hätte sich ihr gegenüber immer äußerst höflich verhalten . Kathy Etchingham beschreibt einen weiteren Charakterzug von Hendrix: er konnte schlecht nein zu vermeintlichen Freunden sagen, und er ließ sich sehr gern auf angebliche Freundschaften mit Leuten ein, die lediglich ihre Vorteile bei dem „Star“ und seiner Umgebung suchten. Er hatte die Tendenz, den Leuten zu sagen, was diese gerne hören wollten. Dabei konnte er Versprechungen machen, die er nie halten konnte. Umgekehrt konnte er selbst bei trivialen Dingen nicht „nein“ sagen; wenn er es dann doch schaffte, konnte er schnell verletzend werden.

Von Redding wird beschrieben, wie Hendrix im Laufe des ansteigenden Ruhms sich mehr und mehr in seinem Star-Sein verrannte, seltsame Allüren oder Desinteresse bei Auftritten annahm, indem er bspw. dem Publikum seine Langweile durch Zeigen seines Rückens während des Spielens signalisierte oder nur halbherzig sang. Zugleich hatte er depressive Phasen und Panikattacken in den Zeiten zwischen den Shows.

Beziehung mit Kathy Etchingham

Hendrix lernte die in der damaligen Londoner Musikerszene sehr gut eingeführte Kathy Etchingham an seinem ersten Abend in London kennen (24. September 1966). Etchingham lebte damals mit Zoot Money und dessen Frau in einer Wohnung und kannte Chas Chandler bestens. Sie saß am gemeinsamen Tisch im „Scotch Club“ mit Chandler, Money und Linda Keith, als Hendrix in den Club eintrat. Hendrix und Etchingham fühlten sich sofort gleichermaßen gegenseitig angezogen. Im Gefolge eines eskalierenden Streits an der Bar brachte Etchingham Hendrix zurück ins Hotel, damit er wegen seines bloßen Besuchervisums nicht in Gefahr käme, sofort ausgewiesen zu werden. Damit begannen sie, ein Paar zu werden. Aufgrund einer ähnlichen Kindheitsgeschichte schätzten beide ihre gemeinsame Vertrautheit und ihre privaten Rückzugsraum. Hendrix sah in ihr und in seiner Beziehung zu ihr einen ruhenden Pol während seiner anstrengenden Musikerjahre. Er bestand sehr eifersüchtig darauf, dass Kathy ihm treu sein sollte, während er selbst wenig zurückhaltend mit sexuellen Kontakten und Beziehungen auf den Touren der Band war. Hendrix hatte mehrere seiner Songs auf Kathy bezogen. So entstand die Ballade The wind cries Mary nach einem Streit über Kathys ungeschickte Kochkünste. Sowohl Little Wing als auch Foxy Lady waren Anspielungen auf Kathy; im Opus 1983 tauchte Kathy in einer Strophe auf („So my love Katherina and me decide to take our last walk…“).

Lebte das Paar anfänglich gemeinsam in Hotelzimmern und danach gemeinsam mit Chas Chandler und dessen Frau in einem Appartement, das Ringo Starr gehörte, fand Etchingham später eine gemeinsame Wohnung für sie und Hendrix in der Londoner Brook Street. Nebenan hatte seiner Zeit auch Händel gelebt. Hier richtete das Paar die gemeinsame Wohnung als Heimstatt und Rückzugsort ein, wenn Hendrix von seinen Touren zurück kam, und von hier gab er Interviews und machte Foto-Termine.

Etchingham und Hendrix trennten sich 1969, als Etchingham nach einem Besuch in New York frustrierende Erfahrungen mit den Personen aus dem Drogenmilieu machte, die Hendrix damals umgaben.

Drogen

Noel Redding schreibt in seiner Biografie, dass Drogen und Alkohol von Anfang an eine Rolle im Leben der Band spielten. Anfangs, vor ihren ersten Auftritten, rauchten sie Haschisch zur Beruhigung ihrer nervösen Anspannung. Nach den Auftritten wurde der Alkohol- und Drogenkonsum gesteigert. Noel kannte bereits chemische Drogen wie LSD, die später, insbesondere seit den Shows in Amerika, von den Bandmitgliedern konsumiert wurden. Redding beschreibt, dass er eines Tages vor einem Auftritt Hendrix antraf, der lallend lachend und herumtorkelnd kaum ansprechbar war. Redding bemerkte, dass Hendrix erstmals vor einem Auftritt – anstatt danach – zu LSD gegriffen hatte. Der Drogenmissbrauch von Hendrix durch Haschisch, LSD, aber auch Alkohol und Schlaftabletten wurde immer heftiger, auch bedingt durch den Tourenstress. Redding schreibt:

Es begann ein Kreislauf, in dessen Verlauf sich die Band durch ihre permanenten Tourenauftritte und gleichzeitiger Verpflichtungen zu neuen Studioproduktionen immer mehr von der ursprünglichen Kraft und Lebendigkeit entfernten.

Kathy Etchingham war während ihres Besuchs bei Hendrix in New York entsetzt, mit welchen Leuten aus dem Zuhälter-, Prostituierten- und Drogenmilieu sich Hendrix umgab ("These people are my friends, he would say"), was zu ihrer unzeitigen Abreise und letztlich zum Beziehungsabbruch führte.

Politische Aussagen

Obwohl Jimi Hendrix kein politischer Aktivist war, hatte er in den US-amerikanischen Medien einige Kommentare zu den Black Panthers abgegeben, die eine Art „geistige Verbundenheit“ zum Ausdruck bringen sollten, wie er es nannte. In dem 2004 veröffentlichten Dokumentarfilm Jimi Hendrix – The Last 24 Hours von Michael Parkinson wird berichtet, dass Hendrix am 28. Januar 1970 beim Benefizkonzert des Vietnam Moratorium Committee „Winter Festival Of Peace“ im Madison Square Garden teilnahm und Geld an die Black Panthers spendete. Auch ein Konzert für Bobby Seale und die Chicago Seven wird erwähnt. Dadurch kam Hendrix auf den Sicherheitsindex des FBI, wie aus dem freigegebenen Teil der FBI-Akten nachweisbar ist.

Tod

In den letzten Jahren vor seinem Tod 1970 hatte sich Hendrix’ Drogenkonsum massiv verstärkt. Als Konsequenz hatte insbesondere sein Auftreten auf den letzten Konzerten sehr gelitten.

Am 16. September 1970 jammte Hendrix zusammen mit Eric Burdon und War in Ronnie Scott’s Jazz Club in London. Diese Jamsession, bei der Hendrix bei Tobacco Road und Mother Earth zu hören ist, wurde von Fans auf Tonband aufgenommen und ist ein unter Insidern begehrter Mitschnitt, da es die letzte Aufnahme von Hendrix ist.

Er verbrachte die Nacht im Apartment mit seiner Freundin Monika Dannemann im Londoner Samarkand Hotel, wo er abends eine überhöhte Dosis ihrer Schlaftabletten einnahm. Dannemann fand ihn am frühen Morgen des nächsten Tages, am 18. September 1970, bewusstlos auf. Hendrix starb nach Einlieferung ins St Mary Abbot’s Hospital in London-Kensington. Während als Todesursache zunächst härtere Drogen vermutet worden waren, wurde später festgestellt, dass Hendrix Alkohol und Schlaftabletten konsumiert hatte und an seinem Erbrochenen erstickt war. In seiner Lunge fand man große Mengen Rotwein. Laut dem zuständigen Krankenhausarzt habe Hendrix ein mit Rotwein getränktes Stück Stoff um den Hals getragen, einen Pullover oder ein Handtuch.

Obwohl die Todesursache offiziell geklärt war („Tod durch Ersticken“), entstanden um Hendrix’ Tod zahlreiche Spekulationen. Auch wenn sein Manager Chas Chandler mit den Worten zitiert wird, dass Hendrix’ Tod absehbar gewesen sei, entstanden Verschwörungstheorien, dass es sich um Mord oder Selbstmord gehandelt habe. 1993 wurden erneut Ermittlungen aufgenommen, da eine ehemalige Freundin von Hendrix klagte, dass Dannemann den Notarzt zu spät alarmiert habe. Ein Urteil wurde in dem Prozess gegen Dannemann nicht gesprochen.

In seiner 2009 veröffentlichten Autobiografie Rock Roadie beschuldigt Hendrix’ ehemaliger Roadie James Wright den Hendrix-Manager Michael Jeffery des Mordes an Hendrix: Jeffery habe eine Lebensversicherung für Hendrix abgeschlossen und sich selbst als Begünstigten eingetragen, um sich eine Versicherungssumme in Höhe von 1,2 Millionen Pfund auszahlen zu lassen.

Nach Überführung seines Leichnams in die Vereinigten Staaten wurde Jimi Hendrix in Renton bei Seattle neben den Gräbern seiner Mutter und Großmutter bestattet. 2002 wurden Jimi Hendrix’ sterbliche Überreste exhumiert und in ein neuerrichtetes Familiengrab auf demselben Friedhof in Renton umgebettet.

Auszeichnungen und Ehrungen

Nach seinem Tod im Alter von 27 Jahren wird Jimi Hendrix wegen seiner Popularität als Rockmusiker zum fiktiven Club 27 gezählt. Ebenso wie dessen anderen vier „Mitgliedern“ wird Hendrix zugeschrieben, nach der Devise „Live Fast, Love Hard, Die Young“ gelebt zu haben.

Im Jahr 1992 wurde Hendrix posthum der Grammy für sein Lebenswerk verliehen, und er wurde in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Zwei Jahre darauf wurde ihm ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame gewidmet.

1998 wurde Hendrix in die NAMA Hall of Fame der Native Americans aufgenommen. 2000 gründete Paul Allen, Mitbegründer von Microsoft, das 240 Millionen Dollar teure Experience Music Project in Seattle, in dem eine große Zahl von Hendrix-Memorabilia ständig ausgestellt wird, unter anderem Gitarren, Kleidung und Songtexte. 2006 benannte Hendrix’ Heimatstadt Seattle einen Park nach ihm, obwohl sie sich zu Lebzeiten eher distanziert zu ihm verhalten hatte.

Daneben wurde er von vielen Musikmagazinen als herausragender Musiker anerkannt. Von Rolling Stone, Guitar World und anderen Zeitschriften wurde er zum besten E-Gitarristen aller Zeiten ernannt. Der Rolling Stone wählte ihn zudem auf Rang sechs der 100 größten Musiker aller Zeiten.VH1 listete ihn an dritter Stelle der Best Hard Rock Artists of all time hinter Black Sabbath und Led Zeppelin und an gleicher Position bei den 100 Best Pop Artists of all time, nach den Rolling Stones und den Beatles, auf.

Am 10. Februar 2016 eröffnete im Londoner Stadtteil Mayfair das Museum „Handel & Hendrix in London“. Das Museum umfasst zwei Häuser, in einem wohnte Hendrix, im Nebenhaus im 18. Jahrhundert Georg Friedrich Händel.

Anekdotisches

Linda Keith überraschte Hendrix und Kathy Etchingham am Tag nach dem ersten Auftritt von Jimi im Londoner Scotch Club im Hotelzimmer, machte Hendrix eine heftige Szene und entwendete dessen einzige Gitarre. Nur mit dem Versprechen, dass Kathy wieder verschwände, gab sie ihm die Gitarre zurück.

Im Februar 1968 erstellte das damalige Groupie Cynthia Plaster Caster einen Abguss von Hendrix’ Penis. Eine Kopie davon findet sich heute im Rock’n’popmuseum in Gronau (Westf.).

Quelle: Wikipedia.org