Placebo

Ein Placebo (lat. „ich werde gefallen“) ist ein Arzneimittel, das keinen Arzneistoff enthält und somit auch keine pharmakologische Wirkung hat, die dadurch verursacht werden könnte. Im erweiterten Sinn werden auch andere Heilmittel als Placebos bezeichnet, beispielsweise „Scheinoperationen“.

Placebos dienen als Kontrollsubstanz in der klinischen Forschung. Placebo-Medikamente werden in placebokontrollierten klinischen Studien eingesetzt, um die medizinische/pharmakologische Wirksamkeit verschiedener, jeweils als Verum bezeichneter Verfahren möglichst genau erfassen zu können, idealerweise in Doppelblindstudien.

Die Nutzung zur Linderung von Symptomen ist möglich. Die Anwendung von Placebos zur Behandlung von Krankheiten ist insbesondere dann ethisch umstritten, wenn sie nicht auf einer informierten Einwilligung beruht.

Placeboeffekte sind positive Veränderungen des Gesundheitszustandes, die durch eine Behandlung mit Placebo hervorgerufen werden. Im verallgemeinernden Sinn bezeichnet man so auch Wirkungen von Behandlungen, die zwar keine Scheinbehandlungen sind, aber den jeweiligen Effekt letztlich nur auf dem gleichen Weg wie ein Placebo hervorrufen können. Das Gegenstück zum Placeboeffekt ist der Nocebo-Effekt. Dies sind unerwünschte Wirkungen, die bei scheinbaren Schadmitteln auftreten, die keinen Schadstoff enthalten (z. B. elektrosensible Reaktion sogar wenn der Mobilfunkmast ausgeschaltet ist).

Die Wirkung von Placebos wird mit psychosozialen Mechanismen erklärt. Die Wirksamkeit vieler alternativmedizinischer Verfahren wie z. B. Homöopathie wird auf den Placeboeffekt zurückgeführt. Auch bei „herkömmlichen“ Behandlungen sind Wirkungen teilweise mit dem Placeboeffekt erklärbar und teils setzen Ärzte sie sogar gezielt als Placebos ein.

Etymologie

Der Begriff Placebo entstammt der christlichen Liturgie. Der Vers Placebo domino in regione vivorum (Ps 114,9 ) der Vulgata-Übersetzung des Kirchenvaters Hieronymus, die dem hebräischen Text folgt, lautet in Luthers Übersetzung „Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen.“ (Ps 116,9 ) – damit stimmt sie mit der Vulgata-Übersetzung überein. In der Septuaginta, der altgriechischen Übersetzung des Alten Testaments, wird dagegen das hebräische Verb für „gehen“ oder „wandeln“ nicht wortwörtlich, sondern in übertragener Bedeutung übersetzt. Dem entspricht die lateinische Übersetzung des Hieronymus nach der griechischen mit der Verbform „placebo“; die deutsche Übersetzung dieses Verses lautet dementsprechend: „Ich werde dem Herren gefallen im Lande der Lebenden“.

Die abschätzige Redensweise „jemandem ein Placebo singen“ leitet sich aus dem Beerdigungsritus der katholischen Kirche her. Die Ursache für diesen Bedeutungswandel im späten Mittelalter vermutet man unter anderem in den Änderungen in der Gestaltung der Totenandacht, die es ermöglichten, dass der Wechselgesang mit diesem Vulgata-Vers von bezahlten Sängern und nicht mehr nur von den Trauernden selbst angestimmt wurde. „Placebo“ galt somit als etwas Scheinheiliges, eine schmeichlerische und unechte Ersatzleistung.

Im 18. Jahrhundert schließlich wurde „Placebo“ zum Bestandteil des medizinischen Wortschatzes in der gängigen Bedeutung.

Quelle: Wikipedia.org