14.09.2020 | Crossover Bühnenoutfit: 6 Tipps für Bequemlichkeit und Credibility

„Was soll ich bloß anziehen?“ Diese Frage stellt sich euch nicht nur vor der nächsten Feier, sondern auch, wenn ihr als Hobbymusiker auf die Bühne treten wollt.

Foto: Stock.adobe.com © Andrey Armyagov Ein standesgemäßer Look auf der Bühne ist wichtig. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch, dass die Sachen auch unbedingt praxistauglich sind.

Bei Motörhead-Frontmann Lemmy waren es weiße Schlangenleder-Cowboystiefel und ein Kavalleriehut. Bei den Mannen von Kiss gehören die legendär geschminkten Gesichter dazu. Evil Jared, Basser der Bloodhound Gang, nutzt ein weißes Doppelripp-Unterhemd. Und für Doyle Wolfgang von Frankenstein, unter anderem Leadgitarrist der Misfits, sind es die Muckis seines nackten Oberkörpers. Die Rede ist vom Bühnenoutfit.

Jeder Livemusiker benötigt natürlich einen Look. Auch ihr als Hobbymusiker der Hafenstadt solltet dabei zwei Hauptanliegen beachten: 1. Die Klamotten sollten zu musikalischer Ausrichtung und Image passen. 2. (und gern vernachlässigt) das Outfit sollte einen sowieso körperlich anstrengenden und schweißtreibenden Auftritt nicht noch anstrengender und schweißtreibender machen.

Daraus ergeben sich für den zweiten Punkt einige clevere Tipps.

1. Tut euren Füßen etwas Gutes und tragt Sneaker

Die Plateautreter von Kiss, Lemmys Cowboystiefel oder die Hochhackigen von Doro Pesch - zugegeben, gerade Rockmusiker geben eine ziemliche Richtung vor. Nachmachen solltet ihr das als Hobbymusiker allerdings vielleicht besser nicht.

  • Egal ob Jugendheim, Stadthalle oder Kellerclub: Bühnenböden sind ein „hartes Pflaster“. Und selbst wenn euer Konzert nur eine Stunde, geschweige denn länger dauert, können solche Schuhe ziemlich unbequem sein.
  • Grip und Stabilität sind alles, selbst wenn ihr nicht wie ein Derwisch über die Bühne fegt. Auch da haben viele Schuhe das Nachsehen. 
  • Lampenfieber, Bühnenscheinwerfer, eine dichtgedrängte Crowd lassen zumindest in geschlossenen Räumen das Thermometer schnell steigen. Auch das ist in nicht atmungsaktiven Schuhen kontraproduktiv.

Tatsächlich sind Sneaker deshalb ungeachtet eurer exakten Musikrichtung die bequemste und trittstabilste Lösung. Das gilt auch in Sachen Style: Die Hersteller haben in jüngster Zeit einige sehr eigenwillige Modelle herausgebracht, die an den Füßen von Rap-lastigen Crossover-Musikern ebenso gut wirken wie an Metalheads und Punks. Vor allem haben diese modernen Hightech-Sneaker so butterweiche Unterkonstruktionen, dass es sich darin auch auf vollkommen unnachgiebigen Bühnen superkomfortabel steht und geht.

Ein Tipp noch: Wenn ihr euch viel bewegt, wählt High-Tops. Die stützen die Knöchel und helfen so gegen Umknicken.

Foto: Stock.adobe.com © thomas quack/EyeEm Sneaker sind nicht nur die bequemsten Stage-Schuhe. Sie gehören auch zu den trittsichersten Möglichkeiten.

2. Testet jedes Kleidungsstück auf seine Bewegungstauglichkeit

Stellt euch vor, ihr rockt hart mit dem Bass ab und durch den Gurt wird Stück für Stück euer Rücken freigelegt – und weil die Hose rutscht, zeigt sich überdies das „Maurer-Dekolletee“. Oder an die Ladies: Ihr hüpft und singt und plötzlich verrutschen die Cups des BHs nach oben und ihr Inhalt schwingt plötzlich frei unter dem T-Shirt.

Ihr werdet euch auf der Bühne immer bewegen. Unter zahllosen Augen. Und die Zuschauer werden auch ihre Handys und Kameras auf euch richten (auch wenn viele Musiker und Besucher davon genervt sind). Jeder „Wardrobe Fail“ sollte daher tunlichst vermieden werden, weil er unübersehbar ist und wahrscheinlich aufgezeichnet wird.

Vermeiden könnt ihr das nur, wenn ihr jedes potenziell bühnengeeignete Kleidungsstück vorher testet. Tragt es bei Proben, bewegt euch darin viel. Und wenn es nur gut aussieht, aber potenzielle Gefahr für Verrutschen, Reißen oder ähnliche Malheure besteht, lasst es besser im Schrank.

3. Haltet den Schweiß unter Kontrolle

Bruce Springsteen ist nicht nur eine Rock-, sondern auch „Schweißmaschine“. Dem Vernehmen nach sind seine Gitarren deshalb wassergeschützt. Aber auch mit weniger aktiven Schweißdrüsen wird euch die Brühe auf der Bühne schnell vom Körper rinnen – dafür sorgen schon die Scheinwerfer, die enorme Wärme produzieren.

Zwar ist es bei vielen Fans akzeptiert, dass bei Musikern die Schweißtropfen fliegen, dennoch solltet ihr bedenken, dass die salzige Flüssigkeit für euch selbst unpraktische Auswirkungen haben kann:

  • Sie rinnt in die Augen und brennt.
  • Sie läuft auf eure Lippen, vielleicht in den Mund. Schwierig vor allem für Sänger und Blasinstrumentalisten.
  • Sie rinnt an den Armen entlang, kann eure Griffe am Instrument rutschig und unpräzise machen.

Und das sind nur die funktionalen Nachteile – die optischen kommen noch hinzu. Ihr tut deshalb gut daran, dafür zu sorgen, dass Schweiß unter Kontrolle bleibt:

  • Zieht euch auch bei kühler Witterung luftig an. Ein Kapuzenpullover mag vielleicht cool wirken, ist aber auf der Bühne ziemlich hot, also besser T-Shirt und Co.
  • Wenn es zum Look passt, wählt die Beduinenlösung: Dünne, schweißabsorbierende und enganliegende Unterkleidung (sportliche Funktionsunterwäsche ist perfekt) und darüber weitere, ebenfalls atmungsaktive Kleider.
  • Wenn ihr keine üppige Haartracht tragt, die Schweiß aufnehmen und verdunsten lassen kann, tragt am besten Kappen, Beanies, Bandanas oder Stirnbänder. Die verhindern, dass die Tropfen ins Gesicht rinnen. Vor allem bei sehr kurzen Haaren und Glatzen.
  • Stoppt Schweiß, bevor er eure spielenden Hände erreicht. Das geht durch Schweißarmbänder oder um die Handgelenke gewickelte Bandanas. Netter Nebeneffekt: Die Haut wird an der Oberkante von Gitarre und Bass nicht aufgescheuert.

Und falls ihr besorgt seid, dass unter euren Achseln, unter der Brust usw. Schweißflecken auftreten könnten, wählt eine altbekannte Lösung: Babypuder. Auf die Haut aufgetragen saugt das große Mengen Feuchtigkeit auf und verhindert auch Geruch.

4. Denkt an den Bühnenhintergrund

Ihr spielt in irgendeiner Sparte des Rock. Dann ist zumindest die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr auch in der offiziellen Farbe des Rock'n'Roll vor Publikum treten werdet: Fröhliches Schwarz.

Allerdings solltet ihr das nicht im Default-Modus tun. Schaut euch vor dem Konzert unbedingt die Bühne an. Gerade Stages, die für viele Einsatzzwecke konzipiert wurden, werden oftmals mit Vorhängen aus schwarzem Molton-Stoff verhängt. Der verhindert Reflexionen durch die Bühnenscheinwerfer, außerdem hilft er den Soundtechnikern, weil er Schallwellen schluckt.

Nur: Selbst grell angeleuchtet sieht schwarze Kleidung vor schwarzem Hintergrund schlecht aus. Wählt in dem Fall lieber andere Farben. Dann hebt ihr euch besser ab, seid deutlicher sichtbar und wirkt einfach besser. 

Foto: Stock.adobe.com © Wavebreak3 Bei schwarzen Bühnenhintergründen helfen auch keine Scheinwerfer. Wer da Schwarz trägt, ist automatisch schlechter sichtbar.

5. Macht keine Werbung für andere Bands

Wenn ihr auf der Bühne musiziert, sollten die Zuschauer sich nur auf euch konzentrieren. Und da ist das, was im Amateurbereich viele Musiker tun, eigentlich kontraproduktiv: Sie tragen Shirts, Kappen usw. mit Namen und Logos anderer, bekannter Bands.

Aus musikalischer Sicht mag das verständlich sein, immerhin seid ihr ja auch als Musiker höchstwahrscheinlich Fans anderer Bands. Aber das dicke Metallica-Logo auf eurem Shirt, das Ramones-Präsidentensiegel auf der Cap usw. lenken auch von euch als Musiker ab. Schlimmer noch, mit etwas Pech sorgt es bei manchen Zuschauern dafür, dass sie euch im Geiste als Nachmacher ansehen, falls euer Sound auch nur entfernt so klingt wie der der großen Namen auf euren Kleidern.

Ihr müsst deshalb nicht in neutralen, unbedruckten Sachen auflaufen. Keineswegs. Nur die Namen von Bands und Musikern sollten es nicht sein – übrigens auch nicht die eurer eigenen Band.

6. Denkt an die Spielbarkeit

Auf dem Kultursender Arte lief im Sommer 2020 die ZZ-Top-Doku „That Little Ol‘ Band From Texas“, ihr könnt Sie auch noch eine Zeitlang in der Mediathek abrufen, ansonsten ist auch ein bloßer Blick in den kurzen Trailer unbedingt sehenswert. Dabei erwähnte Sänger und Gitarrist Billy Gibbons auch, wie sein Bart und der seines bassspielenden Kollegen Dusty Hill öfters mal auf die Saiten gerät – klar, bei der Länge kein Wunder.

In dem Fall sagten die Jungs von ZZ Top, dass das sogar positive, weil etwas dämpfende, Auswirkungen auf den Sound hätte. Allerdings solltet ihr dieses Thema weiterdenken. Wenn schon bei einer so bekannten Band ein Teil des Outfits mit dem Musizieren interferiert, sollte klar sein, dass das auch weit weniger schöne Nebenwirkungen haben kann.

Denkt an nicht richtig gebundene Sneaker, die euch vom Fuß rutschen. Denkt an Bändsel eines Oberteils, die irgendwie in die Gitarrensaiten geraten. Oder denkt an ein weites Kleid, das sich irgendwie am Mikrofonständer verheddert und diesen umreißt. Tatsache ist, es gibt unzählige Möglichkeiten, wie eure Kleidung Malheure beim Musizieren produzieren kann.

Und ihr solltet versuchen, sie alle zu vermeiden. Abermals ein wichtiger Grund, warum ihr jedes potenzielle Kleidungsstück vorher beim Spielen testen solltet. Aber ganz generell solltet ihr alles vermeiden, was durch herabhängende Bestandteile, wallende Stoffmengen und dergleichen das Zeug hat, euch zum Stolpern zu bringen, irgendwo hängenzubleiben oder zwischen eure Körperteile und die Instrumente zu geraten.

Wenn ihr all das beachtet, bleibt euch trotzdem noch sehr viel Spielraum, um eine zu eurer Band, eurem Style und gewünschten Image passende Kleidung zu finden – nur werdet ihr auf jeden Fall besser und professioneller wirken als viele andere Amateurmusiker in Hamburg und anderswo.