22.02.2021 | Crossover Money for Nothing: Finanzielle Engpässe überwinden – und in Zukunft verhindern

​Es handelt sich um ein Problem, das viele von uns aus eigener Erfahrung kennen: finanzielle Engpässe. Manchmal ist es eine unerwartete Ausgabe, die das Monatsbudget sprengt. Manchmal ist es ein Jobverlust oder Kurzarbeit, die zu finanziellen Problemen führen. Manchmal sind es andere Gründe, die den Kontostand gefährlich nah an die Nullgrenze bringen. Unabhängig von den Ursachen, bringen solche finanziellen Engpässe stets Sorgen mit sich und können schlimmstenfalls sogar in die Schuldenfalle führen. Umso wichtiger ist es, diese schnellstmöglich zu überwinden und in Zukunft präventiv zu verhindern. Wie? Wir haben die Antworten für euch!

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Finanzielle Schwierigkeiten lassen sich immer auf eines der beiden Grundprobleme herunterbrechen - oder auf beide: Entweder sind eure Ausgaben zu hoch oder eure Einnahmen zu gering. Natürlich kann es passieren, dass durch einen Schicksalsschlag plötzlich euer gesamtes Einkommen wegfällt oder ihr in eine Situation geratet, in der ihr unverschuldet hohe Kosten tragen müsst. Doch in vielen Fällen sind finanzielle Engpässe (auch) ein Stück weit selbst verschuldet. Wer also einen ehrlichen Blick auf den eigenen Umgang mit Geld in den vergangenen Wochen, Monaten oder Jahren wirft, muss sich eingestehen, dass dieser nicht optimal war. Aber keine Sorge: Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung und ein finanzieller Engpass bedeutet noch lange nicht, dass ihr nie wieder aus der Schuldenfalle entkommen könnt. Stattdessen ist es wichtig, ruhig zu bleiben und euch schrittweise aus dieser prekären Situation zu befreien.

Schritt 1: Eine komplette Finanzaufstellung machen

Erst einmal ist es wichtig, sich (wieder) einen Überblick über die Finanzen zu verschaffen. Dafür solltet ihr eine Finanzaufstellung machen, die euer gesamtes Vermögen, aber auch sämtliche Schulden enthält – von Girokonten über Immobilien bis hin zu Aktien. So wisst ihr anschließend besser, wie gravierend der finanzielle Engpass wirklich ist und wo es eventuelle Lösungsmöglichkeiten gibt.

Schritt 2: Rücklagen vollständig ausnutzen

Manchmal tauchen im Zuge dieser Finanzaufstellung sogar Rücklagen auf, die ihr vergessen hattet. Ein Sparkonto vielleicht, ein Festgeldkonto, das ihr zeitnah auflösen könnt, oder einfach das Sparschwein in der Kommode. Sämtliche Rücklagen, die sofort verfügbar sind, solltet ihr nutzen, um den finanziellen Engpass zu überbrücken. Vielleicht schafft ihr das dann sogar ohne Schulden oder weitere Maßnahmen.

Schritt 3: Gebundenes Vermögen liquide machen

Solche weiteren Maßnahmen können zum Beispiel der Verkauf von Gegenständen (im Internet) wie Kleidung, Mobiliar oder sogar eurem Auto sein. Auch Pfandhäuser oder Online-Auktionshäuser sind eine gute Möglichkeit, um kurzfristig an Geld zu kommen. Habt ihr Geld auf Festgeldkonten, in Aktien, in Edelmetallen oder auf andere „gebundene“ Arten angelegt, könnt ihr dieses vielleicht liquide machen. Je nach Einzelfall, könnt ihr beispielsweise Konten auflösen, Aktien verkaufen, Edelmetalle veräußern oder Leihgaben an Freunde und Familie zurückfordern – um nur einige von vielen Beispielen zu nennen. Mit ein bisschen Kreativität findet sich meistens der eine oder andere Weg, um kurzfristig auf legale Weise an (mehr) Geld zu kommen. 

Schritt 4: Kreditmöglichkeiten prüfen – und nutzen 

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In einigen Fällen reicht es trotzdem nicht aus, um den finanziellen Engpass vollständig zu überbrücken. Dann können Kredite eine Lösung sein. Allerdings kommt es dabei auf eure Kreditwürdigkeit an, sprich ihr müsst den Kredit auch zuverlässig zurückzahlen können. Ansonsten droht ihr in die Schuldenfalle zu tappen. Es gilt daher, einen Blick in die Zukunft zu werfen und zu prüfen, welche Einnahmen und Ausgaben ihr in den kommenden Monaten erwartet. Wenn ihr zuversichtlich seid, dass der finanzielle Engpass schnell Vergangenheit sein wird und ihr geliehenes Geld problemlos zurückzahlen könnt, weil ihr beispielsweise schon einen neuen Arbeitsvertrag unterzeichnet habt oder euer regelmäßiges Einkommen ausreichend Puffer bietet, könnt ihr verschiedene Kreditarten in Erwägung ziehen:

  • Dispokredit: Der Dispo eures Bankkontos ist die schnellste, aber oftmals auch eine der teuersten Möglichkeiten, um an geliehenes Geld zu kommen. Viele Girokonten können bis zu einem gewissen Betrag überzogen werden, den ihr daraufhin zuzüglich Zinsen zurückzahlen müsst. Auch bei Kreditkarten gibt es häufig diese Option. Aufgrund der vergleichsweise hohen Zinsen, eignet sich der Dispo aber nur für kleine Beträge, die ihr zeitnah tilgen könnt.
  • (Online-) Kredit: Ansonsten ist ein klassischer Kredit die bessere Option, da er günstigere Konditionen bietet. Hierfür müsst ihr allerdings höhere Anforderungen erfüllen. Zudem ist ein Kreditvergleich wichtig, den ihr vorab online durchführen könnt, um das bestmögliche Angebot zu finden, je nach Verwendungszweck, Art des Kredits und weiteren individuellen Faktoren. Den Kredit selbst könnt ihr daraufhin meist auch online oder klassisch bei der Bank beantragen.
  • Arbeitgeberdarlehen: In einigen Fällen kann der Arbeitgeber einen Vorschuss zahlen, der mit den weiteren Lohn- beziehungsweise Gehaltszahlungen wieder abgestottert wird, häufig ebenfalls zu einem marktüblichen Zinssatz. Allerdings ist nicht jeder Arbeitgeber hierzu bereit; und nicht jeder Arbeitnehmer traut sich zu fragen. Üblich ist das Arbeitgeberdarlehen deshalb eher in kleineren Betrieben mit familiärer Atmosphäre.

Damit ist die Liste an Kreditarten noch lange nicht zu Ende und in vielen Fällen findet sich eine Lösung, die zu eurer Situation passt. Allerdings ist stets Vorsicht geboten, um nicht in eine Schuldenfalle zu tappen.

Schritt 5: Eine Schuldenberatung in Anspruch nehmen

Solltet ihr also merken, dass eure Schulden schon jetzt eure finanziellen Möglichkeiten übersteigen oder ihr im Zuge des finanziellen Engpasses die Kontrolle verloren habt, dürft ihr euch nicht scheuen, eine Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen. Denn sie ist kein Grund zum Schämen, sondern ein mutiger Schritt, um eure finanzielle Unabhängigkeit (wieder) zu erlangen.

Schritt 6: Hilfe bei Freunden und Familie suchen

Auch Freunde und Familie zeigen sich oft hilfsbereit, wenn ihr in Geldnöte geraten seid – sofern ihr euch noch nicht in einer Schuldenfalle befindet und somit auch (noch) keine professionelle Hilfe benötigt. Fragt also nach, ob jemand bereit ist, euch bei der Überbrückung des Engpasses zu helfen, beispielsweise durch einen Privatkredit, eine Bürgschaft für einen Kredit, eine vorgezogene Erbschaft in Form einer Schenkung oder ähnliche Regelungen. Wichtig ist aber, diese unbedingt schriftlich festzuhalten, falls es später zu Streitigkeiten kommt. So wissen sich beide Parteien auf der sicheren Seite. Denn an Geld können bekanntlich die besten Freundschaften beziehungsweise Familien zerbrechen.

Schritt 7: Laufende Kosten minimieren

Habt ihr die „akute“ Phase überstanden und den finanziellen Engpass hinter euch gelassen, wollt ihr mit Sicherheit verhindern, dass eine solche Situation in Zukunft erneut eintritt. Nun gilt es also, präventiv zu handeln und dabei ist ein wichtiger Schritt, die laufenden Kosten zu minimieren. Möglichkeiten gibt es dafür viele, oftmals sogar ohne Abstriche bei der Lebensqualität.

Schritt 8: Einkommen erhöhen – wenn möglich

Nun könnt ihr prüfen, ob es zudem eine Möglichkeit gibt, um eure Einnahmen zu erhöhen, sei es dauerhaft oder zeitweise. Vielleicht könnt ihr einen Neben- oder Ferienjob annehmen. Vielleicht kommt eine nebenberufliche Selbständigkeit infrage. Vielleicht könnt ihr eine Gehaltserhöhung aushandeln. Vielleicht ist auch ein Jobwechsel die Lösung. Das Einkommen zu erhöhen, ist zwar nicht immer machbar, aber zumindest eine Überlegung wert.

Schritt 9: (Neue) Rücklagen bilden

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Sei es also durch ein gestiegenes Einkommen oder durch die verringerten Ausgaben: Bestenfalls bleibt fortan am Ende des Monats etwas Geld übrig. Es ist wichtig, dass ihr dieses nicht aus dem Fenster werft, wie man so schön sagt, sondern als Puffer auf die Seite legt. Jeder Mensch sollte finanzielle Rücklagen haben, um genau solche Engpässe bei unerwarteten Ausgaben, Jobverlust & Co zu verhindern. Bestenfalls könntet ihr damit mindestens sechs Monate ohne Einnahmen auskommen. Das ist nicht für jeden Menschen realistisch, aber es gilt in allen Fällen das Motto: Je mehr Rücklagen, desto besser! Auch diesbezüglich kann bei Bedarf ein Schuldner- oder Finanzberater helfen.

Schritt 10: Ein Haushaltsbuch anlegen und führen

Zuletzt ist das Haushaltsbuch ein wichtiges Stichwort. Es hilft euch dabei, nie wieder den Überblick zu verlieren und somit auch nie wieder in einen finanziellen Engpass zu rutschen; was vor allem für Menschen wichtig ist, bei denen die Finanzen knapp sind, die noch Schulden tilgen oder die schlichtweg keinen optimalen Umgang mit Geld haben – zumindest noch nicht. Ein Haushaltsbuch lehrt euch, vernünftig(er) mit euren Finanzen umzugehen, eure finanziellen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und euch einen Puffer anzusparen, der euch eines Tages finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht. Denn ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit ist eines ohne finanzielle Engpässe und damit auch ohne finanzielle Sorgen.