17.03.2020 | Crossover Selbstständige, Freiberufler, Veranstalter in Not: Tipps & Hilfemöglichkeiten

Die anhaltende Krise durch das Corona-Virus beunruhigt viele Unternehmen und stellt diese vor Existenzprobleme. Gerade Selbstständige und Freiberufler - also z.B. auch Bands, Konzertveranstalter und Co. sind betroffen. Wir sagen euch, wie ihr als Fans helfen könnt und wo ihr als Betroffene Hilfe bekommt.

Wir alle lieben es! Das Licht geht aus, der Nebel steigt und durch das Gejohle der Menge fetzt der erste Gitarrenakkord, in der Gewissheit, dass es für die nächste Stunde Vollgas abgeht. Doch Live-Partys wie weitere Veranstaltungen - ob in kleinen Clubs oder großen Hallen - sind aufgrund der Corona-Ausbreitung vorerst abgesagt.

Selbstständige und Freiberufler treffen diese Maßnahmen besonders hart. Also auch viele, die bei Konzerten und Veranstaltungen HINTER den Kulissen für uns aktiv sind: z.B. Stagehands, Veranstaltungstechniker, Mischer, Toningenieure, Handwerker, Ingenieure, Caterer, Securities, Bühnenbildner, Kostümausstatter, Fahrer, Reinigungskräfte, Produktionsleiter, Tourmanager, Bandmanager, Promoter, und und und - in der Veranstaltungsbranche sind viele Menschen mit viel Knowhow und Verantwortung am Werk.

Hier erzählen uns drei von ihnen, vor welchen Schwierigkeiten man jetzt steht und wie man helfen kann.

Claudia Appel: Promoterin und Produktionsleiterin für Konzerte

Claudia Appel ist selbstständige Radiopromoterin und Produktionsleiterin. Das heißt: Sie ist zuständig für all die Leute, die sich bei Konzerten um das Merchandise, den Sound und das Licht kümmern oder auch die Bühne aufbauen. Leute, die aufgrund der aktuellen Situation vor dem Nichts stehen, da keine Aufträge mehr reinkommen.

Stellvertretend für alle, die in der Veranstaltungsbranche arbeiten, weiß Claudia auch, wie wir alle helfen können: 

Was hat sich durch die aktuelle Lage verändert?

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Wie kann man denn die Veranstalter und Arbeiter unterstützen?

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Kann man denn auch die Bands, die ihre Shows absagen mussten, unterstützen?

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Max Hilgarth: Geschäftsführer im Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland

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Aber nicht nur im Konzerte- und Veranstaltungsbusiness sind die Menschen beunruhigt - die anhaltende Krise durch das Corona-Virus stellt allgemein viele Unternehmen und Freiberufler vor Existenzprobleme. Eine besonders gefragte Person ist nun Max Hilgarth, Geschäftsführer im Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland. 

Er hat uns erklärt, warum die Maßnahmen Freiberufler so heftig treffen und welche Möglichkeiten sie jetzt haben:

Welche Ängste haben die Betroffenen?

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Warum treffen die Maßnahmen besonders Selbstständige und Freiberufler so hart?

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Welche Rechte habe ich als Betroffene/r?

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Wer kommt für meinen Einkommensverlust auf, wenn ich unter Quarantäne gestellt werde?

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Marcus Pohl: Selbstständiger & Vorsitzender der ISDV e.V.

Marcus Pohl ist als Produktionsleiter und Tourmanager selbst von der Krise betroffen. Er kann die Situation der Selbständigen und Freiberufler sehr gut nachvollziehen. Marcus ist aber auch gleichzeitig Vorsitzender der ISDV e.V., der Interessengemeinschaft der selbständigen Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft. 

Das Ziel ist es, den vielen Selbständigen und Freiberuflern eine Stimme zu geben und sie zu unterstützen.

Marcus, welche Tipps hast du für Selbständige gerade jetzt in diesen Zeiten?

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Wie helft ihr bei der ISDV euren Mitgliedern?

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Mal unabhängig von der ISDV - wie hat sich dein Alltag verändert?

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Wie hältst du dich momentan über Wasser?

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Mehr Informationen zur ISDV e.V. findet ihr auf Facebook oder auf ihrer offiziellen Webseite. Das Team der ISDV hat zudem eine Checkliste an Unterlagen erstellt, die alle Unternehmerinnen und Unternehmer bereits vorbereiten und zusammenstellen sollten, da sie für Hilfeleistungen sicher gebraucht werden. 

ISDV - Was jetzt zu tun ist: Die Checkliste

  • 1. Bringt Eure Buchhaltung auf den aktuellen Stand.
  • 2. Stellt alle offenen Forderungen zusammen und fügt Notizen über aktuelle Gespräche dazu bei.
  • 3. Stellt alle schriftlichen Unterlagen, auch Emails und Gesprächsnotizen, der abgesagten Beauftragungen zusammen.
  • 4. Nehmt Kontakt zu Eurem/r Steuerberater*in auf und
    a) lasst alle noch offenen Jahresabschlüsse erstellen.
    b) geht die Zahlen mit ihm/ihr durch, damit ihr in der Argumentation sicher werdet.
    c) erstellt eine Prognose für 2020/2021.
  • 5. Nehmt Kontakt zu Eurem Finanzamt auf und bittet um Herabsetzung der EKSTVZ und des GWST-Messbetrages. (Stundungen bringen Euch nicht weiter und sind aufwändig)
  • 6. Fragt nach Rückzahlung bereits geleisteter Vorauszahlungen.
  • 7. Nehmt Kontakt zu Eurer Stadt/Gemeinde/Kommune auf und beantragt eine Herabsetzung der GWSTVZ aufgrund des zuvor erhaltenen neuen Messbetrages.
  • 8. Nehmt Kontakt zu Eurer Krankenversicherung auf und
    a) gesetzlich versichert: beantragt eine Herabsetzung der Beiträge zu sofort
    b) privat versichert: nehmt Sonderleistungen wie Einzel-/Zweibettzimmer oder Chefarztbehandlung raus, setzt möglicherweise den Eigenanteil hoch, um den Beitrag zu senken.
  • 9. Macht einen Termin mit Eurem Bankbetreuer. Dies geht zunehmend nur noch per Email oder Telefon, da viele Filialen bereits geschlossen haben. Legt die zuvor erarbeiteten Unterlagen vor, erklärt die momentane Situation und verhandelt:
    a) Vergrößern der Kreditlinie auf dem Girokonto als Sofortmaßnahme
    b) Sobald klar ist, welche Hilfen es wie und wo gibt, sprecht darüber, wie das für Dich genutzt werden kann
    c) Sprecht über mögliche Umschuldungen von Hauskrediten u.ä. zu besseren Zinssätzen.

Noch ein Tipp der ISDV: Nur nüchterne Zahlen helfen - Tourneestories helfen nicht weiter. Sicherheit bei den eigenen Zahlen, Sicherheit in den Zukunftsaussichten für 2021, Zurückhaltung und Verbindlichkeit sind das Gebot der Stunde.

Quickcheck: Was kann ich als Betroffene/r tun?

  • So wird betroffenen Unternehmen geholfen

    Die Bundesregierung plant aktuell ein Hilfspaket in Milliardenhöhe, das der Stärkung der KfW-Bank und der Landesförderinstitute dienen soll. Damit sollen Unternehmen aller Größen unter die Arme gegriffen werden - vor allem Kleinunternehmern und Freiberuflern. Auch europaweit sollen Hilfsgelder geschnürt werden - durch die "Corona Response Initiative" soll dabei 25 Milliarden Euro bereitgestellt werden.

  • Soforthilfe für Unternehmen

    Unternehmen, die durch die Corona-Krise unmittelbar in Not geraten, können Soforthilfen beantragen. Diese Soforthilfen richten sich in allererster Linie an Selbstständige, Freiberufler und kleinere Unternehmen bis 250 Mitarbeitern. Zwischen 5.000 und 30.000 Euro können unbürokratisch beantragt werden.

  • Hilfe durch das Finanzamt

    Auch das Finanzamt greift euch bei akuten Problemen unter die Arme. Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer können gestundet sowie Vorauszahlungen der Gewerbesteuer auf null gesetzt werden. Hierbei müsst ihr aber glaubhaft machen, dass eure Liquidität durch die Corona-Krise eingeschränkt ist. Ansprechpartner ist euer zuständiges Finanzamt.

  • Überbrückungshilfen durch Kredite und Bürgschaften

    Die KfW-Bank vergibt aktuell Kredite zu besonderen Konditionen, damit die Liquidität von Unternehmen mit Engpässen zunächst gesichert ist. Dazu könnt ihr euch auf der entsprechenden Website informieren. Die entsprechenden Landesförderinstitute können dabei Bürgschaften übernehmen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat hierfür eine Informationshotline eingerichtet: Von Montag bis Freitag von 09 - 17 Uhr könnt ihr euch unter der 030 18615 1515 Hilfe suchen.

  • Kurzarbeit beantragen

    Wenn in Folge des Corona-Virus ein Unternehmen schließen muss oder es Einschränkungen in den Arbeitszeiten gibt, kann bei der örtlichen Agentur für Arbeit Kurzarbeiter-Geld beantragt werden. Hierbei gibt es folgendes zu beachten:

    • Mindestens 10 Prozent der Belegschaft muss vom Arbeitsausfall betroffen sein
    • Auch für Leiharbeiter kann Kurzarbeiter-Geld beantragt werden
    • Die Sozialversicherungsbeiträge werden in dieser Zeit von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt
    • Auf den Aufbau negativer Arbeitszeitsalden wird ganz oder teilweise verzichtet
    • Eine Verlängerung des Bezugs von Kurzarbeiter-Geld kann von 12 Monate auf 24 Monate verlängert werden

Infos & Hotlines für Betroffene:
  • Infotelefon des Bundeswirtschaftsministeriums zum Coronavirus - nur wirtschaftsbezogene Fragen (Mo - Fr, 09:00 bis 17:00 Uhr): 030 18 615 6187
    E-Mail: 
    buergerdialog@bmwi.bund.de
  • Hotline des Bundeswirtschaftsministeriums für allgemeine wirtschaftsbezogene Fragen zum Coronavirus (Mo - Fr, 09:00 bis 17:00 Uhr): 030 18615 15 15
  • Beantragung von Kurzarbeitergeld - zuständig ist die örtliche Arbeitsagentur. Unternehmerhotline der Bundesagentur: 0800 45555 20
  • Infotelefon des Bundesgesundheitsministeriums zum Coronavirus (Mo - Di, 08:00 bis 18:00 Uhr; Fr, 08:00 bis 12:00 Uhr): 030 346 4651 00

Weitere Infos zu Sofortmaßnahmen und Unterstützung für Unternehmen findet ihr auch auf der offiziellen Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

  • Kostenlose Service-Nummer der staatlichen Förderbank KfW (Mo - Fr, 08:00 bis 19:00 Uhr): 0800 539 9001

Aktuelle Infos zu Krediten und Unterstützung durch die KfW-Bank findet ihr auch auf ihrer offiziellen Homepage.

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