05.03.2020 | Specials John Frusciante: Unser Porträt über das schwierige Genie

Zweimal ist er ausgestiegen - doch nun zum zweiten Mal zurückgekehrt: John Frusciante und die Red Hot Chili Peppers sind gleich mehrere Kapitel für sich, die wahnsinnig geile Songs hervorgebracht haben.

  • John Frusciante hat einiges erlebt - Höhepunkte wie Tiefpunkte - doch alles war geprägt von Musik.

    John Frusciante hat einiges erlebt - Höhepunkte wie Tiefpunkte - doch alles war geprägt von Musik.

    Foto: Press
  • 1988 trat er den Red Hot Chili Peppers im Alter von 18 Jahren bei, nachdem sein Vorgänger und großes Idol Hillel Slovak verstorben war. 

    1988 trat er den Red Hot Chili Peppers im Alter von 18 Jahren bei, nachdem sein Vorgänger und großes Idol Hillel Slovak verstorben war. 

    Foto: Warner Music Group
  • Er sollte den Sound der Band maßgeblich prägen - vor allem das 1991 erschienene Blood Sugar Sex Magik sollte einen internationalen Durchbruch der Chili Peppers bedeuten.

    Er sollte den Sound der Band maßgeblich prägen - vor allem das 1991 erschienene Blood Sugar Sex Magik sollte einen internationalen Durchbruch der Chili Peppers bedeuten.

    Foto: Warner Music Group
  • Doch der Erfolg war nichts für den jungen Frusciante und er zog sich zurück. Es folgten schwierige Jahre samt Drogenmissbrauch und Depressionen.

    Doch der Erfolg war nichts für den jungen Frusciante und er zog sich zurück. Es folgten schwierige Jahre samt Drogenmissbrauch und Depressionen.

    Foto: Warner Music Group
  • 1998 gab es die Reunion der Red Hot Chili Peppers mit Frusciante - und aus ihr gingen wunderbare Platten wie Californiacation (1999), By The Way (2002) und Stadium Arcadium (2006) hervor.
	Foto: xPassenger, - Flickr, CC BY-SA 2.0, Link

    1998 gab es die Reunion der Red Hot Chili Peppers mit Frusciante - und aus ihr gingen wunderbare Platten wie Californiacation (1999), By The Way (2002) und Stadium Arcadium (2006) hervor.

    Foto: xPassenger, - Flickr, CC BY-SA 2.0, Link

  • Doch auch dieses Mal wurde es Frusciante zu viel und er stieg 2008 erneut aus.

    Doch auch dieses Mal wurde es Frusciante zu viel und er stieg 2008 erneut aus.

    Foto: Mike Piscitelli
  • Doch im Winter 2019 kam es zur feierlichen, zweiten Reunion mit John Frusciante. Aktuell arbeitet die Erfolgsbesetzung sogar an einem neuen Red Hot Chili Peppers-Album.

    Doch im Winter 2019 kam es zur feierlichen, zweiten Reunion mit John Frusciante. Aktuell arbeitet die Erfolgsbesetzung sogar an einem neuen Red Hot Chili Peppers-Album.

    Foto: Warner Music Group

Den Traum, als junger Fan seine Lieblingsband zu treffen und plötzlich mit ihnen auf der Bühne zu stehen, hegen wir insgeheim doch alle. John Frusciante hat ihn sich damals erfüllt, als er im Alter von gerade einmal 18 Jahren die Red Hot Chili Peppers kennenlernte, deren Mitglied wurde und ihren Sound der Erfolgsjahre maßgeblich prägte - doch was nach einem Märchen klingt, wurde eher die Geschichte des verlorenen Sohns. 

Geboren am 05. März 1970 im New Yorker Stadtteil Queens, kam John schon in Kindheitsjahren mit Musik in Berührung. Sein Vater gelernter Pianist, seine Mutter professionelle Sängerin und ein stets gefülltes Plattenregal, entfachten den Wunsch ebenfalls Musiker zu werden. Das änderte sich auch nicht nach der Trennung seiner Eltern und dem Umzug nach Los Angeles. Dort angekommen, fing er an, sich in der lokalen Punk-Szene rumzutreiben, wo der Name Red Hot Chili Peppers bereits sein Unwesen trieb. Schwer begeistert brachte sich John zuhause alle Songs bei und wurde wohl zum größten Fan des damaligen Gitarristen Hillel Slovak. Als er ihn kurze Zeit persönlich kennenlernte, schien sein Glück perfekt zu sein.

Der tragische Tod Slovaks 1988 schockte nicht nur die Chili Peppers, sondern auch John Frusciante. Doch ausgerechnet er sollte es sein, der den Sound der Band zur Perfektion treiben sollte. Mit Mother's Milk (1989) legte die Band schon ein Kracheralbum hin, zwei Jahre später mit Blood Sugar Sex Magik einen Meilenstein. Hits wie "Breaking the Girl", "Give It Away" oder "Under The Bridge" - ohne Frusciante nicht vorstellbar.

Doch Erfolg war nichts für John! Um das nachzuvollziehen muss man sich womöglich eine Unterhaltung zwischen ihm und seinem damaligen Helden Hillel Slovak anschauen, an die er sich in einem Interview mit dem Musikmagazin Space Cadet erinnerte:

"Hillel fragte mich: 'Würdest du die Chilis auch noch mögen, wenn sie so beliebt sind, dass sie im Forum auftreten würden?' Ich sagte: 'Nein. Das würde die ganze Sache ruinieren. Das ist das großartige bei der Band, das Publikum spürt keinen Unterschied zwischen sich und der Band.'"

1992 verließ Frusciante die Band und stürzte in einen Sumpf aus Depressionen und Drogenmissbrauch. Seine avantgardesken Soloalben floppten kommerziell und er stand mehrfach an der Grenze eines frühen Ablebens. Erst 1996 schaffte er es, seine Heroin-Abhängigkeit zu bekämpfen – zwei Jahre später kam er auch von Kokain und Alkohol los. Vielleicht war das Schicksal, denn im selben Jahr feuerten seine alten Bandkollegen Gitarrist Dave Navarro.

Bassist Fleas Wunsch, die Red Hot Chili Peppers nur weiterzuführen, wenn John Frusciante in die Band zurückkehrte, ging in Erfüllung und so meldete sich die Band mit ihrem nächsten Meilenstein Californiacation (1999) zurück. Von da an schien es nur noch bergauf zu gehen. Johns Einfluss trieb die Kollegen Anthony Kiedis, Flea und Chad Smith von Höchstleistung zu Höchstleistung und mündete 2006 im meisterhaften Doppelalbum Stadium Arcadium, bei dem Frusciante den Großteil seiner Gitarrensoli komplett improvisierte und ihnen damit noch mehr Glanz verlieh.

Doch wieder wurde es dem Virtuosen zu viel. Die ununterbrochene Arbeit seit Californiacation habe Frusciante geschafft, gab Frontmann Kiedis in einem offiziellen Statement an. Die Red Hot Chili Peppers machten mit Josh Klinghoffer an der Gitarre weiter und das Kapitel Frusciante schien abgeschlossen.

Bis zum 15. Dezember 2019! In einem Instagram-Post verkündete die Band, dass nach zehn Jahren Abwesenheit, John Frusciante in die Band zurückkehren würde - und tatsächlich: Im Februar stand die Erfolgsbesetzung Kiedis, Flea, Smith und Frusciante wieder gemeinsam auf der Bühne und ein neues Album ist auch in der Mache. Die Fans freut es!

Heute feiert John Frusciante seinen 50. Geburtstag - ein kompliziertes, aber außergewöhnliches Genie an den sechs Saiten, das ihr mit der ein oder anderen Nummer auch in euren 666 besten Rock-Songs würdigt. Wir sagen Happy Birthday, John!